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Huldigungsblatt auf das Haus Habsburg als Bollwerk gegen die Türkenmacht
Stecher: Krauss, Johann Ulrich (1655-1719)
Inventor: Dittman, Christian
Keine Datierung verfügbar
Kupferstich, H. 70 x Br. 49 cm, Plattenrand. Signiert mit: Christian Dittman fecit Pragae und Joann Ulrich Kraus scul.August.Vin. Christian Dittman, Porträt- und Historienmaler (1667 erstmals belegt -1702 Prag); Johann Ulrich Kraus (1655 -1719 Augsburg) Zeichner und Kupferstecher. Titel: Austriaca Olea Contra Oleastrum Turcicum
Widmung an Kaiser Leopold I. durch Johann Wenzeslaus Kunass Ritter von Machowitz: Auguste Romanorum et Hungariae Rex. Dum ad Lunam fatuam Oleaster Turcicus, Barbara Ottomanni familia, damno publico excrevit: Rudolphus I. Habsburgicus Imperator, ad Augustam condidit Domum Austriacam, in umbram, et tutelam Lunabatur hactenus Oleasterad Lunae Cornua in falces, ut Christianitatem exscinderet: Nodescebat Olea in Clavas, ut falces hebetaret. Nunc postquam Victorioso Leopoldinae Industriae effronduit gladio, eccaesus Oleaster, quae diu parturijt arma, aut cortice clausit Trophaea, fatalem sibi effudit in ruinam: radicitus Josephino Timoris gladio excidendus. Quoddum voveo, vitam meam omnem devoveo Augustae et Apostolicae Vestrae Majestatis ... Durch den Votanten in der rechten unteren Bildecke, der in Ganzgestalt mit Spruchfahne und Lilienwappen wiedergegeben ist, wird das Schema des Thesenblattes aufgegriffen. Doch ist dieses bekannte Blatt bisher nie als selbständiges Thesenblatt bekannt geworden. Die Darstellung zeigt zwei aufragende Ölbäume, der linke kräftig gebaut und im Vordergrund, der rechte zurückgesetzt, dem Stürzen nahe und im Stadium des Verfalles. Der kräftige und hochragende Baum ist der österreichische Ölbaum, er wird mit dem Stammbaum der Habsburger gleichgesetzt. Er wächst inmitten eines umfriedeten Gartens, auf dessen Balustrade die weiblichen Allegorien und Personifizierungen der österreichischen Länder, Fürsten- und Herzogtümer stehen. Sämtliche tragen Wappenschilde. Der Ölbaum ist bezeichnet mit Austriae Olea Augusta Armata. Als Früchte dienen ihm 29 Porträtmedaillons von Rudolf I. beginnend bis Leopold I. reichend. Zudem sind zahlreiche Wimpel und Banner hinzu gesellt mit der Bezeichnung der Länder und der durch Ortschaften eingetragenen Kriegsschauplätze und Heldentaten, was zu einem Stammbaum aller habsburgischen Ruhmestaten ausartet. Vor der Gartenmauer warten die Vertreterinnen der 7 freien Künste. Über dem stattlichen Baum erscheint der österreichische Doppeladler in den Lüften und verleiht Leopold I. die Kaiserkrone, darüber die christliche Sonne und die Personifizierung des Christentums. Hinter dem Baum wird die Landkarte des östlichen Habsburgerreiches sichtbar, südlich Italien, östlich Kroatien, Bosnien, Dalmatien und Siovenien, die namentlich angeführt sind. Vor der Landkarte mit Moldavia, Walachia und Morea bis Konstantinopel ragt der türkische Ölbaum auf oder vielmehr ist er im Fallen gezeigt. In Anspielung auf das Türkenjahr 1683 fallt der österreichische Doppeladler diesen Baum mit seinem Schwert: Fronde reducta corruet hoc gladio /oculato caeditur ense. Löwen mit Kronen sind der Adler Helfer, am Baumstrunk der Text: Parit ipsa per arma ruinam. Zudem verliert dieser Baum auch seine Früchte in Form von kleinen Medaillons mit eingeschriebenen Orts- und Städtenamen. Diese Städte wurden den Türken bereits abgenommen und so liegen sie erledigt auf dem Boden, dahinter erfolgt zum Zeichen der türkischen Schreckensherrschaft der Einblick in eine Ruine. Weitere junge Adler rauben diesem Baum fortwährend noch Banner und stecken sie in den Baum Habsburgs. In der Krone die Personifizierung des Islam, eine Allegorie, deren Augen verbunden, auf der Mondsichel steht und deren Augenbinde eine Eule festhält. In den Wolken kleinteilige vielfigurige Schlachtszenen in zeilenmäßiger Anordnung.
G. M. Lechner
Lit.: Thieme-Becker IX (Leipzig 1913) S. 335. - Katalog: Gedächtnisausstellung zur Wiederkehr des 300. Geburtstages von Abt Gottfried Bessel 1672 -1749, Göttweig 1972, S. 29, Nr. 11.
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