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Ic_004 Neid und Zwietracht (Eris)

Stecher: Küsel, Melchior (1626-1683)
Inventor: Baur, Johann Wilhelm (1606-1642)

1670

Radierung; H. 22,0 x Br. 22,7 cm; Plattenrand; Blattnummer: 33. (rechts unten). Inventor: Johann Wilhelm Baur (Straßburg 31.5.1607- Wien 1642) [Serie: "lconographia", 1670]. Stecher: Melchior 1. Küsell (Augsburg 17.8.1626-um 1683). Quellen: Homer, Ilias IV, 439-445; XI, 3-14; Hesiod, Theogonie 225-232, Erga 11-19 (Eris); Cesare Ripa, lconologia (1593) "Invidia"; Filippo Picinelli, Mundus Synbolicus, II, Köln 1715, lib. 17, Nr. 47, 48 (Blasebalg); Index Applicationum (Invidia); Hadrianus Junius ("1"1575), Emblemata (1565) Nr. 54. Inschrift (unten): Wer kennt die Vnhold nicht? die schädlich, Braut der Höllen / Die so vil Vbels pflegt auff Erden an zuestellen?) / Es ist der blasse Neid, so Feür auftbläst und schürt / Verleumbdet, lästert, liegt, die beste Freünd verwürt // Sein Frucht ist: Hadern, Zanck, Krieg, balgen, rauffen , schlagen / Mord, Vngerechtigkeit, verfolgen, marteren, plagen / Vnd was dess Zeuges mehr, ia sein Zanck = Apffel kan / Bey einem Götter = Mahl auch Händel richten an.

Der "Neid" als alte, ausgezehrte und häßliche Frau mit Schlangenhaar und hängenden Brüsten verbreitet herbeistürmend mit Hilfe eines Blasebalgs die Laster der Welt wie Neid, Verleumdung, Duell, Streit, Krieg, Mord, Folter und Verfolgung (rechts unten). Ihre Rechte hält eine weitere Schlange, die sonst an den Brüsten saugt. Emblematisch wird der Blasebalg als Symbol für den Streitsüchtigen und Hochmütigen aufgelöst (Picinelli). Die Allegorie erfährt im mythologischen Bereich eine Erweiterung, indem der Neid der Eris gleichgesetzt wird, welche als Göttin der Zwietracht ungeladen bei der olympischen Hochzeit von Peleus und Thetis erscheint und durch den Wurf des goldenen Apfels das Parisurteil und den damit begründeten Trojanischen Krieg verursacht. Das Apfelattribut der Eris tritt auch bei einem Stich des Hieronymus Wierix (? 16 I 9) auf. Der mythologische Kontext in der Ikonographie Baurs ist neu, tritt doch die "Invidia" mit den üblichen Attributen Schlange und Hund zumeist in Serien von Lasterpersonifikationen auf, zuweilen wird auch eine Gegenüberstellung mit Tugenden vorgeführt (Wierix). Das biblische Exempel für Neid ist dort und auch in Hertels Ripa-Edition von 1758/60 der Verkauf Josephs an die vorbeiziehenden Kaufleute (Gn 37,25-28).

G. M. Lechner, W. Telesko

Lit.: Thieme-Becker 3 (1909) 89f:; 22 (1928) 73f; - AKL 7 (1993) 629f; - LCI 3 (1971) 1527; - Hollstein XX (1977) Nr. 301-446; - Ripa, Iconologia I, 226; - Maser, Ripa, Nr. 57; - Henkel-Schöne, Emblemata 1579; - Bartsch 4 (1980) 252 (Nr. 275),125 (Nr. 136) [Matham]; 16 (1980) 122 (Nr. 102) [Pencz]; 196 (Nr. 125), 192 (Nr. 111) [Aldegrever]; - Marie Mauquoy-Hendrickx, Les estampes des Wierix, II, Bruxelles 1979, Nr. 1362, 1415, 1376; - Lesky, Eggenberg, Taf 18, 19.

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