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Ic_012 Einigkeit und Friedsamkeit

Stecher: Küsel, Melchior (1626-1683)
Inventor: Baur, Johann Wilhelm (1606-1642)

Year unavailable

Radierung; H. 21,8 x Br. 22,6 cm; Plattenrand; Blattnummer: 27 (rechts unten). Inventor: Johann Wilhelm Baur (Straßburg 31.5.1607-Wien 1642) [Serie: Iconographia, 1670]. Stecher: Melchior I. Küsell (Augsburg 17.8.1626-um 1683). Quellen: Cesare Ripa, Iconologia (1593) "Concordia"; Filippo Picinelli, Mundus Symbolicus I, Köln 1715, lib. 9, Nr. 268 (Malus punica); 11, Köln 1715 (Index Applicationum); Psychomachie des Prudentius (4. Jh.) l= PL 60,11-90, bes. 69-72]; Andreas Alciatus, Emblematum libellus (Paris 1542) Nr. 27; Plutarch, Lebensbeschreibungen, "Sertorius" (c. 16); Sextus Julius Frontinus (? 104 n.Chr.), Kriegslisten (Strategemata) I. 10; IV, 7, 6; Emblematisches Titelblatt zum Hochzeitscarmen für C. Trolle und B. Rantzeau (1660) "Non unita fragilis" (Pfeilbündel). Inschrift (unten): 0 Schönes ding, so man nicht gnugsam kan erheben I 0 guldne Einigkeit, so in der Menschen Leben /Sehr grossen Nutzen bringt?, wo Frid ist, da ist Heil / Trutz, es zerbrech jemand ein starcken buschel Pfeil // Drumb wust Scilurus dort diss artig anzuregen / Als er woll seine Söhn zur Fridsamkeit bewegen / Ia auch ein buschel Haar ist ausszureissen schwer / Wie dort Sertorius Vorhielt dem Krieges = Heer.

Dominiert wird das Blatt von der zentralen Personifikation der Eintracht und des Friedens, die als Zeichen der Abneigung gegenüber allen kriegerischen Handlungen mit dem linken Fuß auf einem Bündel von Pfeilen steht und mit der rechten Hand den aufgeplatzten Granatapfel als Symbol der Rechtschaffenheit hoch hält. Seit der Antike ist der Granatapfel Symbol der Liebe, Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit; im christlichen Sinn steht er, basierend auf den häufigen Erwähnungen im Hohelied (4,3.13; 6,7.11; 7,13; 8,2), für Tod und Auferstehung Christi und für das fruchtbare Wirken Mariens im Erlösungswerk; dabei wird die Vielzahl der Kerne auf die Vielzahl marianischer Tugenden bezogen. Auf gleicher Höhe wie die rechte Hand hält die Linke eine Schale mit kleinen Granatäpfeln. Historisch illustriert wird die Eigenschaft der lorbeerbekränzten "Concordia" durch die bei Plutarch berichtete Begebenheit, wonach ein körperlich schwacher Soldat einem starken Pferd die Haare des dicken Schweifs einzeln ausgerissen hätte und somit nach Beurteilung des römischen Feldherrn Quintus Sertorius (i 72 v.Chr.) mehr durch Geduld als durch Gewalt erreicht werden könne. Zur Wiederherstellung der Kampfbereitschaft der Truppe sei nach Sertorius unablässiger Fleiß notwendig. Anhand des Gleichnisses von den Stäben (oder Pfeilen), die verbunden unzerbrechbar sind (vgl.: Pfeilbündel unter dem linken Fuß der "Concordia") [Emblem!], ermahnt Scylarus (im Sterbebett liegend) seine Söhne zu brüderlicher Eintracht (linker Bildteil, Aesopus, Fabulae IV,18). Für die malerische Ausstattung eines Teils des Schlosses Eggenberg/Graz (1660/83) wurde Baurs Serie als Vorbild benützt (vgl.: Nr. 27 e,g,j,k,l).

G. M. Lechner, W. Telesko

Lit.: Thieme-Becker 3 (1909) 89f; 22 (1928) 73f; - AKL 7 (1993) 629f; - LCI 2 (1970) 198f; - RDK 4 (1958) 1031-1039; - LAW I, 1133; 111, 2785; - Hollstein XX (1977) Nr. 301- 446; - Marienlexikon 2 (1989) 701; - Pigler II, 342; - Der Kleine Pauly 5 (1979) 138f:; - Lottlisa Behling. Die Pflanze in der mittelalterlichen Tafelmalerei, Köln-Graz2 1967, 22, 50. 101. 151f:. Abb. 23. CXVIII; - Wolfgang Harms / Hartmut Freytag (Hrsg.). Außerliterarische Wirkungen barocker Emblembücher; München 1975. Abb. 65; - Lesky, Eggenberg. Tat: 16. 17.

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