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Ma_016 Huldigungs- oder Thesenblatt, 1660

Stecher: Küsel, Matthäus (1629-1681)
Inventor: Oddi, Mauro (1639-1702)

1660

Kupferstich, H. 47,5 x Br. 33 cm (beschnitten). Signiert: Mauro Oddi Parmagiano Inv. / Matthaeus Küsel S.C.M. Sculpt: f. Mauro Oddi, Maler, Architekt und Radierer (1639 Parma -1702), Schüler des Pietro Berettini (da Cortona) zu Rom. Matthäus Küsel (1629 -1681) Augsburg, kaiserlicher Hofkupferstecher.

Der Huldigungsstich könnte thematisch mit dem Blatt einer Allegorie auf die glückliche Vermählung eines fürstlichen Paares, worauf im Hintergrund nach Cl. Beutler Koblenz, Eggenberg und Grätz dargestellt sind, in Zusammenhang stehen; es ergeben sich auch Verbindungen zur gleichzeitigen Allegorie auf die "Augsburger Friedens Freud". Das Paar in den Wolken ist als Jupiter und Minerva wiedergegeben, im Hintergrund der Götterhimmel mit Merkur, Chronos und Herakles angedeutet. Der Göttervater trägt die Züge Kaiser Leopolds I. (1640 -1705), Kaiser ab 1658, Minerva könnte eine Anspielung auf Claudia Felicitas von Österreich (1653 -1676) oder auf Leopolds dritte Gemahlin, Eleonora von Pfalz-Neuburg (1655 -1720), die Mutter Josephs I. und Karls VI. sein. Der Zodiakus steht im Zeichen von Löwe und Waage und bildet die Begrenzung zur tiefergelegenen Gruppe mit der Darstellung eines jugendlichen Herrschers, den eine Wolke zum Himmel entrückt. Putti überbringen ihm den Gorgonenschild der Minerva, der Jupiteradler übergibt ihm das Blitzbündel, ein Putto mit Lyra apostrophiert den neuen Herrscher als Apollon. Die irdische Sphäre zeigt eine bergige italienische Gegend, in der sich vier Titanen als Karyatiden mühen, einen riesigen Landschaftsteil in die Höhe zu stemmen, auf dem drei weitere Titanen Felsbrocken zum Götterhimmel zu schleudern versuchen. Wieder drei Titanen sind damit beschäftigt, einen kleineren Feisteil wegzuheben. 1m Bildvordergrund lagert links ein zusätzlicher nackter Titan, dem ein lagernder Flußgott im Bedeutungsmaßstab verkleinert - in der rechten Bildecke korrespondiert. Sein linker Arm ruht auf einem Felsenwürfel mit reichem Wappen, das im Zusammenhang mit dem Haus Farnese zu Parma steht, in dessen Diensten Oddi stand. Im dahinter aufwachsenden Baum hängt eine Emblemkartusche mit der Ikon eines Bienenkorbes und dem Lemma: Nos tantum ex alijs. Da die Herrscherfiguren zwar barockzeitliche Attitüde zeigen, jedoch nur bedingt Porträtähnlichkeit aufweisen, muß eine exakte Identifizierung vorerst offen bleiben. Eventuell ist das Blatt auch ein Fragment eines größeren Thesenblattes.

G. M. Lechner

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  • Genre » Thesenblatt
  • Iconography » Wissenschaft und Kunst
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Catalogue title » Das Barocke Thesenblatt